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Bewahre uns vor der Versuchung

Führe uns nicht in Versuchung (bewahre uns vor der Versuchung), sondern erlöse uns vor dem Bösen (dem Bösen in uns / oder der anderen Menschen).

Eine Versuchung ist der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die reizvoll erscheint, jedoch unzweckmäßig ist, einer sozialen Norm widerspricht bzw. verboten ist. Sie kann sich auf alle Arten von Tun oder Lassen (Handlungen oder Unterlassen) beziehen.

Die Versuchung kann in dem Gegenstand der Begierde als solchem oder in der Art seiner Präsentation liegen oder durch andere Personen hervorgerufen werden, die durch Verführungskünste in Versuchung führen (z. B. Schmeicheln, Bitten, Anleiten, Anstiftung, Anpreisen, Erwecken von Neugier, Einsatz von Autorität, Erzeugen von Angst, Drohung mit Verlust oder Manipulation).

Im Christentum ist Versuchung der Anreiz, eine Sünde zu begehen. Als Kern aller Versuchungen gilt das Beiseiteschieben von Geboten Gottes.

In der Bibel wird die Versuchung mit dem Bösen in Verbindung gebracht. In 1 Petr 5,8 EU heißt es:

„Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“

Die wohl bekanntesten Stellen der Bibel, an denen von der Versuchung die Rede ist, sind der im 1. Buch Mose beschriebene Sündenfall durch Adam und Eva, die Versuchung Ijobs durch den Teufel und die in den synoptischen Evangelien erwähnte Versuchung Jesu (Mt 4,1-11 EU; Mk 1,12-13 EU; Lk 4,1-13 EU): Nach seiner Taufe wird Jesus von Geist Gottes in die Wüste geführt, wo er fastet und betet und der Teufel ihn in Versuchung führen will.

Wer das Vaterunser zum ersten Mal bewusst betet, fragt sich vielleicht: Führt uns Gott in Versuchung? Warum müssen wir ihn bitten, es nicht zu tun?

Die sechste Bitte des Vaterunsers bleibt so lange unklar, bis wir uns bewusst machen, dass Jesus diese Worte gar nicht auf Griechisch gesprochen hat. Er sprach Aramäisch. In einem alten aramäischen Abendgebet heißt es wörtlich übersetzt:

„Bringe mich nicht in die Gewalt der Sünde und nicht in die Gewalt der Schuld und nicht in die Gewalt der Versuchung.“

Der Beter denkt dabei nicht, dass Gott ihn in Sünde, Schuld und Versuchung bringen will, sondern bittet um Bewahrung davor.

Dr. George M. Lamsa, dessen Muttersprache Aramäisch ist, übersetzt diese aramäisch gedachte sechste Bitte so: „Lass uns nicht in Versuchung fallen! Oder: Führe uns, auf dass wir nicht in Versuchung fallen!“

Genau in diesem Sinn hat Jesus seine Schüler einen Tag vor seiner Hinrichtung gewarnt: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!“ (Mk 14,38) Und er verspricht im letzten Buch der Bibel der Gemeinde Philadelphia (Offb 3,10): „Ich will dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Welt kommen wird.“ Petrus bezeugt: „Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten.“ (2. Ptr 2,9)

In allen diesen Texten ist von peirasmos die Rede und alle Aussagen bestätigen, dass Gott uns in den Versuchungen des Lebens bewahren will.

Damit kein Missverständnis aufkommt, stellt Jakobus fest: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemanden.

Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt.“ (Jak 1,13.14)

Da uns Gott nicht versucht, sondern uns im Gegenteil helfen will, darf ich in Versuchungen um Gottes Hilfe bitten. „Vater im Himmel, führe mich so, dass ich in dieser Versuchung nicht falsch entscheide.“

10 Gebote für ein ziviisiertes Zusammenleben auf der Erde – Henryk Cichowski