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„Niemand kann zwei Herren dienen.“

Papst Franziskus hat das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., für seine Haltung zum Ukraine-Krieg kritisiert.

Dieser dürfe sich nicht „zum Messdiener Putins“ machen, sagte Franziskus.

Er meint damit, dass das Kirchenoberhaupt einer christlichen Kirche nicht die eigene Kirche und damit auch indirekt das  russische Kirchenvolk auf die Seite und in den Dienst eines mörderischen Tyrannen ziehen darf.

Damit stellt Kyrill I. sich und seine Kirche (und auch das russische Kirchenvolk) unter die Macht und in den Dienst des mörderischen Aggressors Putin. Dafür hat er sich eindeutig entschieden. Ein geschickter Schachzug des machthabenden skrupellosen Diktators, seine Macht für seine verbrecherischen Ziele in einem religiösen sowie kulturalistischen Kontext zu legitimieren und zu untermauern.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Bild1.jpgMatthäus 6,19–24 „Niemand kann zwei Herren dienen, entweder er wird den einen (Gott) hassen und den andern (den Mörder Putin) lieben, oder er wird dem einen anhangen (Putin) und den andern verachten (Gott).“   (Bild – tagesschau.de)

 

Der bürgerliche Name des Patriarchen lautet Wladimir Michailowitsch Gundjajew. Er wurde am 20. November 1946 in Leningrad geboren. Sowohl Putin als auch Kyrill haben zu Sowjetzeiten für den Geheimdienst KGB (Geheimpolizei) gearbeitet.

Kyrill war zunächst als Erzbischof von Smolensk in Erscheinung getreten, später wurde er Erzbischof der russischen Exklave Kaliningrad. Nachdem er zum Patriarchen wurde, führte er die orthodoxe Kirche immer mehr an den russischen Staat heran – so nah wie es seit dem Zarenreich nicht mehr der Fall war. Eine „Symphonie“ zwischen Kirche und Staat nennt Kyrill die gegenseitige Beziehung selbst.

 Die orthodoxe Kirche und offenbar auch Patriarch Kyrill selber erhalten beträchtliche finanzielle Zuwendungen vom Kreml. Damit hat Putin sich die russisch-orthodoxe Kirche mit Geld einverleibt.

Kyrill I bestreitet, dass Russland einen Angriffskrieg gegen das ukrainische Brudervolk führt. „Wir wollen gegen niemanden Krieg führen, Russland hat nie jemanden angegriffen“, sagte das Kirchenoberhaupt in der Erzengel-Michael-Kathedrale im Moskauer Kreml. Es sei „erstaunlich, dass dieses große und mächtige Land nie jemanden angegriffen hat – es hat nur seine Grenzen verteidigt“.

Kain, der Ackerbauer, war neidisch auf seinen Bruder Abel, den Hirten. In der Folge kamen ihm böse Gedanken und er erschlug schließlich seinen Bruder. Damit wurde er laut Bibel zum ersten Mörder.

Bruder, wir sind keine Staatskleriker!“ (Papst Franziskus) Will u. a. sagen: die Kirche darf sich nicht in den Dienst eines Kriegsverbrechers und Mörders stellen.

Das hat mit einer humanistischen, respektive christlichen Haltung (mit Gott, Jesus und einem heiligen Geist) nichts mehr zu tun.

Kyrill I. macht sich und die russisch-orthodoxe Kirche zum Komplizen, Werkzeug und Mittäter eines mörderischen Regimes und diskreditiert damit den christlichen Glauben und die russische Glaubensgemeinschaft bzw. weltweit geteilte humanistische Werte.

Kyrill I. (sein Vater, der Priester war, wurde zu Zeiten von Stalin in ein Gulag verschleppt, in dem er drei Jahre verbrachte) sollte seine Entscheidung für den Dienst „am falschen Herren“ revidieren.

Damit würde er der Menscheit einen Friedensdienst und übrigens auch seinem verstorbenen Vater eine große Ehre erweisen. 

Dennoch wird er für seine individuelle Schuld gerade stehen müssen, das weiß er sehr genau. Er hat sich entschieden.

Putin ist ein gewiefter (manche sagen – rationaler) Verbrecher, der (scheinbare) Stärke demonstrieren will und mit Unterdrückung, Angst und Schrecken unterlegt sowie (scheinbare) Schwäche verabscheut und alles und jeden, der sich ihm und seinen Zielen in den Weg stellt, mit Zerstörung oder Vernichtung bestraft.

Alles natürlich alternativlos im Dienste und abgeleitet im Kontext einer heilbringenden eurasisch-russischen Kultur / Religion, dessen (auch geschichtliche) Deutungs- und Auslegungshoheit sowie Umsetzungslegitimation (Präsidentschaft, oberster Richter) und Umsetzungsmacht (Geheimpolizei, Militär) bei ihm alleine, dem starken Führer, liegt. Das verschafft nationale Identität und macht ihn für viele Menschen (nicht nur für Russen) so attraktiv und anziehend. 

Interview mit dem Historiker Jörg Barberowski :
„o Putin umgibt sich nur noch mit Dienern, die ihm das berichten, was er hören will.
o Auf dieser Basis trifft Russlands Präsident Entscheidungen. …
o Putin weiß genau, was er tut. …

o Für Putin ist der Krieg eine Möglichkeit, die man ergreifen kann und muss, wenn man sich davon einen Gewinn verspricht.
o Putin vertraut darauf, dass die mehr oder weniger geschlossene Front des Westens einbrechen wird, … weil die Wirtschaftskrise die verwöhnten Europäer am Ende härter treffen könnte als Russland, dessen Bevölkerung mit Entbehrungen besser umzugehen versteht.
o Putin spielt auf Zeit – und er ist bereit, den Krieg zur Not monatelang weiterzuführen. An seiner Entschlossenheit und Rücksichtslosigkeit sollten wir nicht zweifeln.“

In der Hoffnung, dass sich entgegen aller düsteren Zukunftsprognosen und Angstszenarien, die europäische Demokratie als wehrhaft und standhaft erweist. 

Denn Freiheit und Demokratie, Individualismus und soziale Solidarität, Mut und Stärke lassen sich nicht nur auf materiellen Wohlstand reduzieren.

Weltaneignung und Entdeckertum beruhen auf der Fähigkeit einzelner Menschen, hinter denen keine Macht steht, Welterkenntnis zu eröffnen und beispielhaft zu zeigen, wie ein Individuum sich in der Welt gegenüber dem großen Druck von Macht- und Kapitalkomplexen sowie Einfluss- und Kulturkollektiven behaupten kann. Im Gegensatz zu autokratischen Systemen lassen freiheitlich-demokratische Staats- und Rechtssysteme diese Selbstentfaltung von Individuen zu. So profitieren souveräne Systeme von souveränen Individuen und umgekehrt.

Der Wunsch, ein souveränes und freies bzw. individuelles sowie selbstbestimmtes (und eben nicht fremdbestimmtes) Leben führen zu wollen und zu können, ist das, was Mauern zum Fallen bringt und die scheinbare individuelle Ohnmacht zur Lebensmacht werden lässt, aller Angst zum Trotz. Das hat die Geschichte ja auch eindrücklich bewiesen.

Man sollte sich schon entscheiden!

Gegen die Knechtschaft und für die Freiheit. Scheinheilig (oder gleichgültig, ängstlich, kalkuliert, überheblich  …) für alle Richtungen offen zu sein, heißt auch, sich (lau) für die Mitläuferschaft zu entscheiden.

Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen.“

Henryk Cichowski – Acryl auf Leinwand