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„Wahrheit ist Macht – also ist der Sieg unser“

Im Namen der (erfundenen) Wahrheit (Konstruierte Wirklichkeit) – eine neue Weltordnung schaffen. „Wahrheit ist Macht – also ist der Sieg unser“. W. Putin 10-2022.

Mit dem Begriff Wirklichkeit / Realität wird in der Regel das bezeichnet, was der Fall ist. Wahrheit, meint die Übereinstimmung zwischen einer Behauptung und einem objektiven Sachverhalt.

Aber was ist denn der Fall? Ist der Mensch dazu in der Lage, die komplexe Wirklichkeit zu erkennen?

Stimmt seine subjektive Sicht der Dinge mit dem objektiven Sachverhalt überein bzw. erkennt, beschreibt und erklärt er tatsächlich das, was objektiv der Fall ist?

Die Kernthese aller konstruktivistischen Denker lautet: Wir alle konstruieren unsere eigene Wirklichkeit, unsere besondere Sicht der Dinge.

Der Beobachter und das Beobachtete, das Subjekt und das Objekt, sind im Akt des Erkennens unauflösbar miteinander verbunden.

Der Konstruktivismus geht von der Annahme aus, dass die Wirklichkeit, die wir zu sehen glauben, immer eine konstruierte Wirklichkeit Wirklichkeit und Wahrheit ist. Mit anderen Worten: Es gibt keine objektive Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit wird durch den Beobachter einer Situation oder eines Zustands konstruiert bzw. „erfunden”, es ist also eine subjektive Wirklichkeit..

Grundsätzlich gilt es hierbei anzuerkennen, daß unsere Sinnesorgane, unsere Beobachtungen und unser Denken nur angenähert, aber nie exakt die Eigenschaften der Realität erfassen können. Auch wenn kritische Erkenntnisrealisten wie Karl Popper (Kritischer Rationalismus) annehmen, dass man mithilfe standardisierter, intersubjektiv zugänglicher Beobachtungen und Experimente, deren Resultate prinzipiell falsifizierbar sind, zu vorläufig „wahren“, d. h. mit Eigenschaften der Realität übereinstimmenden Erkenntnissen kommen kann.

Dies bedeutet zum einen die Annahme, dass es eine „Realität / Wirklichkeit“ gibt, und zum anderen die Annahme, dass diese Realität teilweise, d. h. zumindest in ihren Grundprinzipien und wohl auch in zahlreichen Details erkennbar ist.

Wissenschaft ist danach die – vielleicht niemals abgeschlossene – Annäherung unserer Erkenntnis an die Wahrheit und die Wirklichkeit. Aber auch nicht mehr.

Wie nun Menschen die Wirklichkeit wahrnehmen und für sich konstruieren, hängt u. a. auch von ihrer Prägung (Sozialisation / Kultur …)  und dem Einfluss ihren jeweiligen Lebenslage und Umweltbedingungen (Familie, Freunde, Arbeit, Wohnort, Einkommen,…) ab.

Die Welt ist kompliziert und komplex, alles scheint mit allem verbunden zu sein. Für die Menschen ist das Weltgefüge unfassbar, außerdem ertragen Menschen nur ein begrenztes Maß an Kompliziertheit.

Deshalb sind gesellschaftliche Leitplanken der Orientierung und des Zusammenlebens in Form kollektiv geteilter Normen und Werte sowie ein für Ordnung sorgendes Rechtssystem notwendig.  

Das Recht und das damit zusammenhängende Rechtssystem soll den Frieden sichern und Freiheit gewährleisten. Es definiert was recht und was unrecht ist.  Es verbietet Vergeltung und Faustrecht und dient so der Vorbeugung von Konflikten.

Die Rechtsordnung sorgt dafür, dass Streitigkeiten friedlich in einem geregelten Verfahren ausgetragen werden. Das Recht umfasst damit alle Regeln zur Konfliktverhütung und -lösung, damit ein geordnetes und friedliches Miteinander möglich ist, weil sie von allen Mitgliedern einer Gesellschaft eingehalten werden sollen.

Welt- und Wirklichkeitskonstruktion im Sinne einer IDEOLOGIE
„Wahrheit ist Macht – der Sieg ist unser“. W. Putin (Oktober 2022).

„Gott hat Sie (Putin) an die Macht gebracht, damit Sie eine Mission von besonderer Bedeutung und großer Verantwortung für das Schicksal des Landes und seines Volkes erfüllen können.“ Ehemaliger KGB Offizier  Kyrill I. Hochmut kommt stets vorm Fall : youtu.be/HC6sp-DxFUo

Aber was ist, wenn ein Ideologisches Regime mit einem Despoten an der Spitze gottähnlich die Deutungshoheit der Weltinterpretation sowie den alleinigen Anspruch auf das Kennen der Wahrheit für sich beansprucht und als Machtmittel repressiv für sich nutzt, um das Staatswesen, das Rechtssystem, den Polizei- und Militärapparat sowie den Lebensalltag der Menschen bis ins Kleinste zu beherrschen?

Um dem näher zu kommen, ist ein Blick hinter die Fassade von Ideologien nötig.

Der Brockhaus gibt zum Stichwort Ideologie folgende Definition:
„Die Gesamtheit der von einer Bewegung, einer Gesellschaftsgruppe oder einer Kultur hervorgebrachten Denksysteme, Wertungen, geistigen Grundeinstellungen (öfters auch in formulierter Form als „Lehre“ überliefert); im spezifischen Sinne künstliche geschaffene Ideensysteme.“

„An dieser Definition ist zweierlei wichtig; Erstens die zwar nicht ausdrücklich erwähnte, dem Begriff aber zugrunde liegende Annahme, dass das Denksystem (die Lehre) die Welt in So-Sein erklärt, und zweitens der grundlgende, allumfassende (und daher allgemeinverpflichtende) Charakter der Ideologie.“ Aus – Paul Watzlawik – Bausteine ideologischer „Wirklichkeiten“.

Kurz: Die Ideologie erklärt die Welt und die Ideologie gibt vor, wo es lang geht. Die Wahrheit ist freilich unzweifelbar, Zweifel sind unerwünscht.

Fidel Castro; „Wir erfüllen unsere Normen, unsere Prinzipien, was wir sagen, ist immer die Wahrheit. Wenn jemand diese Wahrheit in Zweifel ziehen möchte, soll er das tun, aber wir werden nie zulassen, dass jemand den Versuch unternimmt, unsere Realitäten zu überprüfen, dass jemand versucht, unsere Wahrheiten zu widerlegen.“ Paul Watzlawik – ebenda.

Wenn Karl Popper als kritischer Rationalist sagt, dass es „nurAnnäherungen an eine nie voll erfaßbare Wahrheit und Wirklichkeit gibt, ist das für den Ideologen unannehmbar.

Seine Erklärung der Welt hat absolut wahr zu sein und hat alles zu beweisen.

„Der wahre Ideologe aber, dem es um die Verabsolutierung und Verewigung seiner reinen Lehre geht, steht unter der Notwendigkeit der totalen Ausmerzung, Liquidierung, Vernullung jeder ihr widersprechenden Tatsache oder Meinung.“ ( …) „Wie bereits erwähnt, impliziert der Begriff der endgültigen, allgemeinverpflichtenden Welterklärung ja, dass neben ihr keine anderen Erklärungen bestehen können oder, genauer gesagt, bestehen dürfen. Denn sonst befänden wir uns ja noch immer in einem Universum, in dem letzthin alles wahr sein könnte, auch sein Gegenteil. Wo die Idologie sich rückbezüglich auf sich selbst zu beziehen versucht, um ihre Wahrheit aus sich selbst zu beweisen, entsteht ein #blinder Fleck#.

Diese örtliche Blindheit, die für sich selbst blind macht, ermöglicht es dem Ideologiegläubigen, an die Wahrheit und Geschlossenheit der Lehre zu glauben.“ Paul Watzlawik – ebenda.

Wer sich der durch die Ideologie erzeugten Wirklichkeit und ihren segensreichen Auswirkungen gegenüber verschließt, wird als Feind oder als abnorm gekennzeichnet und geächtet. Der Wunsch beispielsweise auszuwandern, lässt sich daher nicht nur als Ablehnung, sondern auch als individuelles Problem der Wirklichkeitsanpassung des Betreffenden auslegen. Die ideologische Ausrichtung und Gleichschaltung ist von zentraler Bedeutung.

Der Machthaber ewartet nicht nur die passive Unterwerfung, sondern auch die aktive und freiwillige Annahme der Ideologie.

„Wir geben uns nicht zufrieden mit negativem Gehorsam, auch nicht mit der kriecherischen Unterwerfung. wenn sie sich am Schluss beugen, so muss es freiwillig geschehen. Wir vernichten den Ketzer nicht, weil er uns Widerstand leistet(…). Wir bekehren ihn, bemächtigen uns seiner geheimen Gedanken, formen ihn um. Wir brennen alles Böse und allen Irrglauben aus ihm aus; wir ziehen ihn auf unsere Seite, nicht nur dem Anschein nach, sondern tatsächlich, mit Herz und Seele. Wir machen ihn zu einem der Unsrigen, ehe wir ihn töten.“ Aus: George Orwell – Neunzehnhundertvierundachtzig – S. 296.

Oder J. Goebbels: „Es mag vielleicht schön sein, über die Bajonette zu gebieten, aber schöner ist es, über die Herzen zu gebieten (…) wir müssen den Zwang des Herzens zum gebieterischen Gebot des Handelns im deutschen Volke machen.“

Ideologien erkennen nicht die natürliche Verschiedenheit und individuelle Souveränität von Menschen an. Der Versuch diese Verschiedenheit aus ideologischer Sicht auszugleichen, führt unweigerlich zu totalitären Exzessen von Ungleicheit.

Ideologien scheitern in der Regel an ihrem Vollkommenheitsanspruch. Gott sei Dank.

Aber Vorsicht: das Scheitern der Ideologie führt nicht notwendigerweise zu einer Einsicht in den fatalen Prozeß des ideologischen Konstruktivismus. Es macht Raum für eine neue Konstruktion ideologischer Irrungen und Wirrungen mit neuen Akteuren.

Aber alles, was sich weiterentwickelt, ist eben deswegen unvollkommen – und unvollkommen darf die ideologische Wirklichkeit nicht sein.

In komplexen Systemen westlicher Demokratien allerdings ergibt sich Wandel, Innovation und Evolution aus der Bejahung der Verschiedenheit von Menschen und aus der Akzeptanz von vorübergehender Instabilität und Ohnmacht.

Die Unvollkommenheit und Ohnmacht zu akzeptieren, bringt die Menschheit weiter, als sich einer erfundenen (konstruierten) und Vollkommenheit vorspiegelnden Ideologie zu unterwerfen.

Einstweilen bleibt uns ein Lichtblick:
„Democracy is a lousy form of government, but I don´t know a better one.“
Winston Churchill.

Auszüge aus: Paul Watzlawik Die_erfundene_Wirklichkeit

Siehe auch: uniheidelberg/wahrheit_wissen_zwischen_wirklichkeit_konstruktion
sowie: socialnet.de/lexikon/Konstruktivismus-Philosophie

Henryk Cichowski – Ideologien beruhen auf erfundener Wirklichkeit und Wahrheitskonstruktion
Tatsache – menschliche (Tat-) und gegebene (-sache)
Daten – Unumstößliches / Gegebenes / Meßbares
Fakten – gewonnene Schlussfolgerungen / Gemachtes