Nationale Sicherheitsstrategie / USA 2025 – als strategische Handschrift des Handelns von D. Trump
Durch die Veröffentlichung der „Nationalen Sicherheitsstrategie der USA 2025“ werden die Leitlinien und Leitplanken (strategischen Grundsätze, Prioritäten und Prinzipien) des Handelns von Präsident Donald Trump „klarer“ und damit auch sein unkonventionelles diplomatisches Vorgehen „etwas“ durchschaubarer.
Man weiß zumindest jetzt und kann nachlesen, welche Philosophie, welches Denken und welcher strategischer Plan und damit verbundene Ziele / Nichtziele mit welchem Mitteleinsatz hinter seinem Handeln bzw. hinter der Kommunikation des Trump Teams stehen.
Donald Trump, so wie er sich in der US NSS 2025 ausdrückt, versteht sich als :
- ein souveränitätsorientierter,
- leistungsbezogener Entscheider,
- der Ordnung durch Stärke herstellen will,
- Risiken akzeptiert,
- Kontrollverlust verabscheut und
- Politik als Wettbewerb um Handlungsfähigkeit
begreift – nicht als moralisches Projekt, sondern als Schutz des Eigenen.
Die Außenpolitik von Präsident Trump ist (soll sein):
- pragmatisch (ergebnisorientiert), ohne „Pragmatismus“ zu sein,
- realistisch (nüchterner Blick auf Macht, Interessen, Grenzen), ohne „Realismus“ im ideologischen Sinne zu sein,
- prinzipientreu (nationale Interessen, Souveränität, Sicherheit), ohne „Idealismus“ zu sein,
- durchsetzungsstark (Bereitschaft zu Sanktionen, Drohungen, Machtdemonstration), ohne „kriegerisch“ zu sein, und
- zurückhaltend (keine unnötigen Interventionen, keine Dauerkriege), ohne „taubenhaft“ zu sein.
- Sie ist nicht in traditioneller politischer Ideologie verankert
- Die Weltordnung soll nicht „neu erfunden“ werden, sondern so gestaltet werden, dass sie den USA nützt, während gleichzeitig bestimmte klassische westliche Werte verteidigt werden.
- Die US-NSS ist wertekonsistent innerhalb ihrer eigenen Logik, aber kein Ausdruck universeller, globaler Moralprinzipien wie Menschenrechte als oberstes Ziel.
Die Außenpolitik ist (soll sein) vor allem von dem motiviert, was für Amerika funktioniert:
- „America First“ Nationale Interessen vor globaler moralischer Agenda
- „Frieden durch Stärke“ Stärke ist nicht Selbstzweck, sondern Friedensstifter
- „Souveränität zuerst“ Selbstbestimmung ist normatives Grundprinzip
- „Fairness vor Altruismus“ Handels- und Sicherheitspartnerschaften auf Reziprozität
- „Kompetenz über Identitätspolitik“ Meritokratie statt diversitätspolitischer Prioritätensetzung
Donald Trump führt Amerika situativ und flexibel wie ein (Immobilien) Unternehmen. Für Trump ist alles ein Geschäft (Deal).


Welche handlungs- bzw. lösungsorientierten Implikationen diese Nationale Sicherheitsstrategie der USA (2025) für Europa, für Grönland und Dänemark, den Krieg in der Ukraine etc. mit sich bringen, kann man jetzt besser greifen.
Dieser Artikel soll dazu beitragen. Er versteht sich als work in progress.

Grönland Konflikt
„Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen“, behauptet Trump.
Trump will Grönland unbedingt, am liebsten als Eigentum. Vorgegeben aus Sicherheitsgründen aber wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wie sollte Grönland strategisch vorgehen? Dabei ist auch zu beachten, dass Grönland ja auch möglichst unabhängig von Dänemark sein möchte.
Wenn Grönland Unabhängigkeit will (auch von Dänemark) und gleichzeitig mit einem Trump-Profil à la „Souveränität, Deal-Logik, Abschreckung, Fairness/Lastenteilung“ umgehen muss, ist die günstigste Strategie:
- Souveränität maximal klar halten,
- aber Trump maximal viele konkrete Sicherheits–
- und Wirtschafts-„Wins“ anbieten –
- ohne Eigentums-/Annexionslogik.
Ausgangslage, die man nüchtern akzeptieren sollte.
- Trump/Weißes Haus rahmt Grönland als National-Security-Priorität im Arktis-Wettbewerb.
- Die NSS 2025 betont ausdrücklich Souveränität, Machtgleichgewicht, Ausschluss nicht-hemisphärischer Rivalen und die „Trump-Korollarklausel“ zur Monroe-Doktrin.
- Grönlands Weg zur Unabhängigkeit ist rechtlich im Self-Government-Act (2009) vorgesehen (u. a. Referendum + Verhandlungen mit Dänemark).
- Die USA haben bereits einen zentralen Militärstandort in Grönland (Pituffik/Thule) – Sicherheitskooperation ist also real, nicht hypothetisch.
- Grundsätzlich ist es geopolitisch und strategisch unerlässlich, Grönland gegen China und Russland abzusichern und die Rohstoffe nutzbar zu machen.
Was Grönland auf keinen Fall tun sollte:
- Ambivalenz bei China/Russland-Kapital in kritischer Infrastruktur (würde NSS-Reflex auslösen).
- Nur moralisch argumentieren ohne Sicherheits-/Wirtschaftsangebot.
- Unabhängigkeit ohne Finanzplan (macht erpressbar).
- Spaltbare Innenpolitik (Einfallstor für Druck).
- Eigentum „diskutieren“ (öffnet Endlosdebatte).
- Auf Moral oder Völkerrecht allein setzen.
- Sicherheitsbedenken kleinreden.
- Mehrdeutigkeit bei Rivalen.
Grönland gewinnt am meisten, wenn es:
- Souveränität absolut hält („nicht verkäuflich“),
- Trump aber einen größeren, schnelleren, messbaren Sicherheits-Deal gibt,
- und Unabhängigkeit als Stabilitätsgewinn verkauft: „Trusted Partner, keine Rivalen, Lastenteilung.“
Kommunikation: „Respekt“ statt Moralpredigt
- Respekt + Klarheit + Angebot
- Nicht: „Ihr dürft das nicht…“ (moralischer Zeigefinger)
Leitsätze sollten sein:
- „Die USA sind unser wichtigster Sicherheits-Partner im Arktisraum.“
- „Grönland entscheidet seine Souveränität selbst.“
- „Wir bieten ein Abkommen, das US-Sicherheitsziele besser erfüllt als Eigentum – mit messbaren Resultaten.“
Der entscheidende Vergleich, den Trump verstehen wird) Grönlands Vorschlag:
Option A: Eigentum
- Internationale Krise
- NATO-Spannung
- Rechtsunsicherheit
- Dauerhafte Gegenmobilisierung Russlands/Chinas
Option B: Funktionales Eigentum
- Gleiche operative Freiheit
- Keine Annexion
- Kein Präzedenzfall
- Maximale Flexibilität
- Sofort umsetzbar
Trump ist kein Ideologe – er wird wahrscheinlich die effizientere Option (B) wählen, wenn sie klar ist.
Wenn Trump Eigentum will, will er wahrscheinlich eigentlich:
absolute, schnelle, unangefochtene Handlungsfreiheit.
Grönlands Gewinnstrategie sollte sein:
diese Handlungsfreiheit maximal zu liefern – ohne die Flagge zu wechseln.
Warum das NSS-konform ist?
Die NSS 2025 sagt nicht: „Wir müssen Territorium besitzen.“ Sie sagt:
- Machtgleichgewicht sichern
- Rivalen ausschließen
- Handlungsfreiheit garantieren
- Souveränität achten (wenn funktional möglich)
- Fairness & Reziprozität
Europa, „Einheit in Vielfalt“ als strategische Stärke

Die Europäische Sicherheit beruht auf dem Prinzip Einheit in Vielfalt. Sie geht davon aus, dass Sicherheit unter Bedingungen globaler Unsicherheit, technologischer Beschleunigung und gesellschaftlicher Pluralität nicht durch Homogenisierung, sondern durch institutionell gebundene Verschiedenheit entsteht.
Im Unterschied zum Modell „e pluribus unum„, das auf politische, kulturelle und strategische Vereinheitlichung zielt, versteht Europa Vielfalt nicht als Schwäche, sondern als Quelle von Resilienz, Lernfähigkeit und Innovation.
Unterschiedliche historische Erfahrungen, politische Kulturen und sicherheitspolitische Perspektiven erhöhen die Fähigkeit, Risiken früh zu erkennen, Alternativen zu entwickeln und Fehlentwicklungen zu korrigieren.
Europäische Sicherheitspolitik setzt daher auf:
- Koordination statt Zentralisierung,
- institutionelle Balance statt Durchgriff,
- Fehlerkorrektur statt Endlösungen,
- Ordnungssicherung statt moralischer Mobilisierung.
Diese Architektur macht europäische Politik insgesamt:
- leistungsfähiger, weil sie auf mehrere Kompetenz- und Erfahrungspole zugreifen kann,
- überlebensfähiger, weil sie nicht vom Erfolg eines einzigen Modells abhängt,
- innovativer, weil Differenz produktiv genutzt wird.
Europa versteht Sicherheit nicht als Durchsetzung eines einheitlichen Willens, sondern als gemeinsame Begrenzung von Schaden unter Bedingungen systemischer Komplexität. Einheit entsteht hier nicht durch Gleichförmigkeit, sondern durch gegenseitig anerkannte Verschiedenheit innerhalb verbindlicher Ordnungen.
Gerade darin liegt Europas strategischer Vorteil im 21. Jahrhundert.

Ein Deal bedeutet für die Parteien (Prinzip der Gegenseitigkeit – REZIPROZITÄT):
- „Ich gebe etwas, ich bekomme etwas
- zu Bedingungen, die wir beide akzeptieren,
- und mit Risiken, die wir bewusst eingehen,
- dabei setzen wir Vertrauen und Verlässlichkeit voraus“
- Verbindlich abgesichert durch:
- Verträge, Sicherheiten und rechtliche Durchsetzbarkeit.




