Trump Lieblingsrolle „Ich“ – mit der Rolle „Ich im Wir“ hat er noch Probleme
Donald Trump tritt politisch seit Jahren mit einem extrem personalisierten Machtstil auf. Dieses „Ich-Prinzip“ zeigt sich in ständig wechselnden Positionen, situativen Aussagen und dem Muster, Politik als erweiterten Geschäftsdeal zu verstehen.
Herfried Münkler bringt dieses Muster präzise auf den Punkt:
„Die vermutlich einzige Konstante seines Agierens ist ein übergroßes Ego, das umschmeichelt werden will und das, sobald es auf Widerspruch gestoßen ist, auf Rache und Vergeltung sinnt.“
Donald Trump: „I’m just a business man – doing business -.“
Was er sagt, ist nicht das, was er denkt und auch nicht das, was er tut.
Wahrscheinlich weiß er selber erst dann, was er gedacht hat, wenn er gehört hat, was er gesagt hat bzw. gesehen hat, was er getan hat.
Es kann aber auch sein, dass er erstmal irgendwas aussagt, um zu sehen was dabei rauskommt. Im nächsten Moment das Gegenteil zu behaupten, macht ihm auch nichts aus. …
Am Ende zählt nur ein aus seiner Sicht guter „Deal“.
Sein MAGA Arbeits- und Verhandlungsstil, welches vor allem Stärke zeigen will, ähnelt dem der Mafia.
Dabei geht es ihm nahezu immer um materielle Vorteile (wirksame Deals), selten aber um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit (obwohl er sich selbst „scheinheilig“ als Friedensnobelpreisträger sieht). Schon gar nicht im Zusammenhang mit Nichtamerikanern. …
Wer aber die Gesetzmäßigkeiten der Gegenseitigkeit – „WIR“ – missachtet und sich damit nicht tiefgründig auseinandersetzt und entsprechend im „ICH-Modus“ operiert, den berichtigt jäh das Leben selbst. Denn wer allein herrschen will, hat das Grundgesetz des Menschseins nicht verstanden.
Weil Trump ahnt, dass das so ist, werden seine strategischen Gefolgsleute vorher aber noch erfolglos versuchen, die Welt (insbesondere das freiheitsliebende Europa) zu unterwerfen, um sie zu zwingen, das „königliche“ Trump – Ich zu lieben.
Deswegen:
o Trumps Film aktuell: ____ „Ich“
o Trumps Film demnächst: „Ohne die anderen bin – Ich – nichts“
Zusammenfassung
Trumps Grundmodus – Das „Ich“ –
Spontanität, Impulsivität, Performanz
Trump wird häufig erst nachträglich klar, was er gedacht hat — nämlich nachdem er gesprochen oder gehandelt hat.
Das heißt: Die Handlung erzeugt erst die „Strategie“, nicht umgekehrt.
Widerspruchstoleranz = Null
Widerspruch ist für ihn eine narzisstische Kränkung, auf die er mit
- Gegenangriff,
- Delegitimierung,
- oder demonstrativer Missachtung reagiert.
Politik als Geschäft
Sein Satz „I’m just a business man – doing business.“ ist keine Bescheidenheit, sondern eine Selbstbeschreibung: Für Trump zählen Deals, Vorteile, Gewinne – nicht normative Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit oder multilaterale Solidarität.
Mafia-ähnlicher Verhandlungsstil
Sein MAGA-Stil ähnelt der Logik der Mafia:
- Stärke demonstrieren
- Drohkulissen aufbauen
- Loyalität verlangen
- Und am Ende: „Respect me – or pay.“
Schlussfolgerungen
Die Europäer sollten daraus die richtigen Schlüsse für den schlauen und souveränen Umgang mit diesem Ich im Übergang zum Wir ziehen.
Angst bzw. devote Unterwerfung wären dabei keine guten Haltungen, Gelassenheit, Stärke und Freiheitsliebe schon eher.
In diesem Licht sollte man das aktuelle Sicherheitspapier der USA zu Europa lesen. Es ist weniger kohärente geopolitische Vision als vielmehr ein politisches Machtinstrument, in dem Trump seine persönlichen Impulse, sein Gefühl verletzt zu sein und seinen Drang nach Dominanz strategisch umsetzen lässt. Die politische Botschaft:
Europa wird darin nicht als Partner gesehen, sondern als Problem. Als schwaches, gefährdetes, angeblich kulturell bedrohtes Gebilde. Und damit – aus Trumps Sicht – als Objekt amerikanischer Machtprojektion.
Aber hinter dieser Rhetorik steckt eine paradoxe Wahrheit:
Trump braucht ein „Wir“. Er will es nur nicht wahrhaben.
Denn selbst der mächtigste Präsident der Welt weiß – oder ahnt zumindest –, dass kein Land allein den globalen Wettbewerb mit China bestehen kann, dass kein Land allein eine internationale Ordnung stabilisieren kann, und dass selbst ein „Deal-Maker“ niemanden hat, mit dem er verhandeln kann, wenn alle nur noch Gegner oder Zuschauer sind.
Doch Trump versucht, den Übergang vom Ich zum Wir zu kontrollieren. Er will ein (vergiftetes) „Wir“, das sich um ihn dreht. Ein „Wir“, das Loyalität verlangt, nicht Partnerschaft. Ein „Wir“, das Stärke ausstrahlt – aber nur seine eigene.
Und genau hier kommt Europa ins Spiel. Europa darf auf diesen Stil nicht mit Angst reagieren. Und Europa darf sich auch nicht in devoter Unterwerfung verlieren. Was Europa braucht, sind drei Dinge:
Erstens: Gelassenheit. Nicht jede Provokation verdient eine Antwort. Trump lebt von Reaktionen – also müssen wir ihm nicht jede bieten.
Zweitens: Stärke. Stärke in der Verteidigung, Stärke in Technologie, Stärke in wirtschaftlicher Autonomie. Nicht als anti-amerikanisches Projekt – sondern als europäische Selbstverständlichkeit.
Und drittens: Freiheitsliebe. Europa hat etwas, das Trump nicht besitzt: eine gewachsene, tief verankerte Kultur der Freiheit. Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit, Gewaltenteilung – das sind keine Schwächen, das sind unsere stärksten politischen Ressourcen.
Wir müssen nicht laut werden, um gehört zu werden.
Wir müssen nur klar sein.
Denn am Ende läuft es auf eine einfache Wahrheit hinaus: Wer souverän ist, lässt sich nicht dominieren. Wer weiß, wer er ist, wird nicht definiert. Und wer seine Würde bewahrt, verliert nie.
Der Film, den Trump gerade spielt, heißt „Ich“. Der Film, der unweigerlich folgen wird, heißt: „Ohne die anderen bin – Ich – nichts.“ Europa sollte sich darauf gut vorbereiten – nicht als Statist in Trumps Handlung, sondern als selbstbewusster Autor seines eigenen Drehbuchs.
Handlungsempfehlungen für Europa im Umgang mit Trump
Gelassenheit statt Emotionalität
Europa gewinnt, wenn es:
- ruhig bleibt,
- nicht auf jede Spitze eingeht,
- und Kommunikation zeitlich verzögert oder auf Arbeitsebene erledigt.
Prinzip: Wer Trump emotional antwortet, spielt in seinem Film mit.
Einheit demonstrieren – Spalten verhindern
Trump testet immer zuerst, wen er auseinanderdividieren kann: Deutschland vs. Frankreich, Ost vs. West, NATO-Innenlogik vs. EU-Interessen.
Europa gewinnt, wenn es:
- zentrale Positionen gemeinsam beschließen,
- Mitgliedsstaaten nicht allein in bilaterale Trump-Deale laufen lassen,
- Kommunikationslinien vorher festlegen.
Prinzip: Eine geeinte EU ist für Trump ein schwierigerer Gegner – und ein respektablerer Partner.
Autonomie stärken – aber nicht als Anti-Amerikanismus
Europa braucht Handlungsfähigkeit, nicht anti-amerikanische Rhetorik.
Das bedeutet konkret:
- europäische Verteidigungsindustrie stärken,
- kritische Technologien selbst entwickeln,
- Energie- und Cyber-Abhängigkeiten reduzieren,
- handelspolitisch global diversifizieren.
Prinzip: Stärke schafft Respekt – Abhängigkeit erzeugt Erpressbarkeit.
Moralische Appelle wirken auf Trump nicht nur nicht – sie verstärken sogar seine Gegenreaktion.
Stattdessen sollte Europa Entscheidungen so begründen, dass sie in Trumps Weltbild funktionieren, z. B.:
- wirtschaftlicher Nutzen,
- Kostenersparnis,
- geopolitischer Vorteil,
- Wettbewerb mit China.
Prinzip: Trump versteht Deals – nicht Predigten.
Trump das „Wir“ ermöglichen, ohne das europäische „Ich“ aufzugeben
Trump möchte ein „Wir“, aber nur eines, in dem er der Mittelpunkt ist.
Europa kann klug handeln, indem es:
- Kooperation anbietet,
- Bedingungen klar formuliert,
- und Grenzen unmissverständlich setzt.
Prinzip: Ein gutes „Wir“ braucht zweiseitige Bedingungen – kein Hofstaatliches.
Europäische Freiheitsnarrative selbstbewusst behaupten
Europa sollte diese Freiheit nicht relativieren, sondern betonen:
- Pressefreiheit
- Rechtsstaatlichkeit
- Zivilgesellschaft
- Trennung von Macht und Person
Prinzip: Freiheit ist kein Exportgut – sondern der Kern europäischer Identität.
Langfristige Politik statt kurzfristige Reaktivität
Trump denkt taktisch, kurzfristig und impulsiv.
Europa sollte das Gegenteil tun:
- strategische 10-Jahres-Planung,
- robuste Beziehungen zu Alliierten außerhalb der USA (Japan, Südkorea, Australien),
- institutionelle Stärkung von EU und NATO unabhängig von Personen.
Prinzip: Personen wechseln – Strukturen bleiben.
Keine Angst – aber auch keine Naivität
Trump ist kein Weltuntergang, aber er ist auch kein verlässlicher Partner.
Europa sollte weder: panisch reagieren, noch glauben, man könne ihn „beruhigen“
sondern: selbstbewusst, vernünftig, resilient bleiben.
Prinzip: Weder Unterwerfung noch Überheblichkeit – sondern souveräne Ruhe.

(verpackt als affirmative Strategie)
Souveränität,
Gelassenheit,
Einheit,
Autonomie,
Realismus,
klare Grenzen,
starke Werte,
langfristige Strategien.
So begegnet Europa einem Trump, der vom
„Ich“ in ein asymmetrisches „Wir“ drängt.
Europa sollte affirmativ auf Trumps Sicherheitspapier antworten. „Wir Sagen JA“.
Ja zur Verantwortung, deshalb: Aufbau eigener Verteidigungs-, Industrie- und Tech-Kapazitäten.
Ja zur Partnerschaft, deshalb: Reziprozität und Augenhöhe, nicht Gefolgschaft.
Ja zur Freiheit, deshalb: Stärkung von Rechtsstaat, Medienpluralismus und Schutz vor externer Einflussnahme – egal aus welcher Richtung.
Ja zur Debatte über Identität, deshalb: Pluralität, d. h. Einheit in Verschiedenheit statt ethnischer Nationalismus.
Ja zur Stabilität, deshalb: europäisch definierte Sicherheitsordnung, in der die USA ein wichtiger, aber nicht der einzige Akteur sind.
So wird aus einem Papier, das Europa eigentlich schwächen soll, eine Steilvorlage, um europäische Souveränität zu begründen:
„Wir nehmen eure Diagnose ernst – und gerade deshalb werden wir jetzt endlich erwachsen.“

Fazit :
Trumps Vorgehen ist nicht wirklich irrational, sondern auf konkrete Deals bzw. Wirkung ausgerichtet (funktional): es will Sinn stiften, Zugehörigkeit erzeugen und einfache Kausalitäten bieten
Er benutzt einfache Geschichten, starke Gefühle und klare Feindbilder. Das gibt vielen Menschen offenbar Orientierung – auch wenn es problematisch ist. Wer das nur moralisch oder kalt und abgehoben rational verurteilt, versteht es nicht – und verliert politisch bzw. erreicht Menschen nicht mehr.
Trump-Wähler als irrational, ungebildet und moralisch defizitär zu klassifizieren ist politisch unklug. Wer nur noch erklärt, statt Sinn zu stiften, überlässt das Feld denen, die einfache Bilder liefern.
Menschen wollen aber nicht nur Recht haben, sie wollen Sinn, Zugehörigkeit und Anerkennung.
Die Berufung auf Fakten, Wissenschaft, Normen kann diese Lücke nicht schließen, denn Menschen handeln nicht nur nach Fakten und Logik. Gefühle, Bilder, Geschichten und Mythen sind immer auch Teil von Politik. Politik ist auch Angst, Hoffnung, Stolz und das Gefühl, dazuzugehören. Genau das bedient Trump meisterlich. Er erzählt einfache Geschichten, benutzt starke Bilder und spricht Gefühle direkt an. Das gibt vielen Menschen Orientierung. Nicht unbedingt Wahrheit – aber Sinn.
Viele Gegner Trumps glauben, wer die besseren rationalen und / oder moralischen Argumente hat gewinnt. Gefühle sind etwas Unvernünftiges. Das allerdings ist ein großer Denkfehler.
Trump gewinnt nicht, weil die Vernunft tot ist, sondern weil seine Gegner scheinbar vergessen haben, dass ein modernes und erweitertes Vernunftverständniss auch mit Sinnstiftung, Anerkennung, Gefühlen und Bildern arbeiten muss. Man muss eben auch mit Gefühlen, Angst, Wut und Sehnsucht rechnen. Man muss dieses nicht gutheißen aber sehr ernst nehmen. Trump ist nicht das Ende der Vernunft. Er ist das Ergebnis einer Vernunft, die Gefühle zu lange ignoriert hat.
Trump lässt sich nicht aufhalten durch bloße moralische Empörung, Faktenchecks allein, Spott oder Ironie, den Hinweis auf Regelbrüche oder gar durch pädagogisches Belehren seiner Anhänger. Warum nicht? Weil all das Trump stärkt:
- Empörung bestätigt sein Feindbild
- Fakten prallen an Affekten ab
- Spott steigert Loyalität seiner Anhänger.
Man besiegt Autokraten nicht durch bessere Moral, sondern durch eine Demokratie, die wieder verständlich, sinnstiftend und emotional anschlussfähig wird. Zusammengefasst bedeutet das: Trump nicht moralisch überhöhen, nicht psychologisieren, sondern ihm die Deutungshoheit entziehen.
Das heißt:
- Gefühle ernst nehmen, aber nicht ausnutzen
- Sinn anbieten, ohne Mythosmissbrauch
- Regeln verteidigen und Menschen erreichen
Es wird eine erweiterte Form der Vernunft notwendig, die nicht allein auf Rationalität und Moral beruht, sondern eine andere Vernunft, die Gefühle politisch ernst nimmt, also Angst, Wut, Kränkung nicht auszugrenzt sondern analytisch und politisch bearbeitet. Nicht „Ihr habt unrecht“ sondern: „Wir verstehen, warum ihr euch bedroht fühlt – aber wir bieten bessere Antworten.“
Auch Sinnangebote machen, statt nur Argumente. Trump ist stark, weil er einfache Geschichten erzählt, klare Schuldige benennt und eben Zugehörigkeit stiftet. Gegenstrategie: eigene Erzählungen entwickeln, Demokratie nicht nur erklären, sondern erlebbar machen und zeigen, wofür sie da ist – nicht nur, wie sie funktioniert.
Komplexität gestalten, nicht nur erklären. Trump reduziert Komplexität brutal, liberale Politik überfordert andererseits mit Komplexität technokratisch. Man sollte die Komplexität anschaulich machen, die Probleme so darstellen, dass Menschen sich orientieren können ohne zu lügen oder zu simplifizieren.
Institutionen schützen – aber nicht naiv. Trump sollte durch Recht, Institutionen und Verfahren begrenzt werden Autokraten brauchen harte Regeln. Aber Institutionen allein tragen keine Demokratie, wenn niemand mehr innerlich an sie glaubt. Darum reicht Rechtsstaatlichkeit ohne kulturelle Arbeit nicht aus.
Bildung und Öffentlichkeit. Der Umgang mit Mehrdeutigkeit sollte eingeübt werden. Wohlfühlpädagogik allein ist dabei nicht zielführend, man solltte auch mit Zumutungen operieren. Die Öffentlichkeit braucht Streit ohne Verachtung, Die Demokratie überlebt nicht durch Reinheit, sondern durch Konfliktfähigkeit.
Gegen Autokraten gewinnt man nicht mit besserer Moral, sondern mit einer Demokratie, die verständlich, glaubwürdig und menschlich bleibt.
Dennoch birgt das autokratische „Ich Konzept“ von Trump große Gefahren für ihn, denn wer allein herrschen will, hat das Grundgesetz des Menschseins nicht verstanden. Autokraten scheitern nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie etwas Grundlegendes nicht verstehen:
„Ohne die anderen bin ich nichts“ (Reziprozitätsprinzip – als Goldene Regel).
Autoritäre, selbstverliebte Macht zerfällt nicht durch Angriff, sondern durch Entzug von Bedeutung.
Nicht:
- durch Empörung,
- durch Lautstärke,
- durch Gegen-Ego.
Sondern durch:
- Klarheit,
- Selbstachtung,
- institutionelle Stärke,
- ruhige Unabhängigkeit.
Der gefährlichste Moment für einen autoritären Narzissten ist nicht der Protest. Es ist der Moment, in dem andere aufhören, ihn zum Maßstab ihres Handelns zu machen. Das nennt man Souveränität.
Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vielen über den Einen (e pluribus unum – im falsch verstandenen Sinne), sondern die Einsicht aller, dass niemand allein bestehen kann (Einheit in bzw. trotz Verschiedenheit).
Auch für den mächtigen amerikanischen Präsident Donald Trump (wie für alle anderen Big Egos auf dem Globus) gilt:
„ohne die „anderen“ bin „Ich“ nichts“
Zur weiteren Einordnung und Bewertung der geopolitischen Lage (Maduro, Grönland, Island, …) siehe auch Herfried Münkler / ZDF Morgenmagazin 6.1.2026.




